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Künstliche IntelligenzIT-Sicherheit

Wie McKinseys KI-Plattform gehackt wurde – und was das für Unternehmen bedeutet

Mert Bacak··7 Min. Lesezeit
Digitales Gehirn mit Datenstrahlen – Symbolbild für KI-Sicherheit und Schwachstellen in KI-Systemen.

Dieser Beitrag basiert auf dem öffentlich veröffentlichten Sicherheitsbericht von [CodeWall](https://codewall.ai/blog/how-we-hacked-mckinseys-ai-platform) vom 9. März 2026. CodeWall hat die Schwachstelle verantwortungsvoll an McKinsey gemeldet, bevor sie sie publik gemacht haben. McKinsey hat die Lücke innerhalb von 24 Stunden nach der Meldung geschlossen – eine bemerkenswert schnelle Reaktion. Wir berichten darüber, weil die Erkenntnisse für jedes Unternehmen mit KI-Infrastruktur relevant sind.


McKinsey betreibt seit 2023 eine interne KI-Plattform namens Lilli – genutzt von über 43.000 Mitarbeitenden weltweit, mit 500.000 Anfragen pro Monat und einer Adoptionsrate von 70 %. Eine beeindruckende Infrastruktur. Bis ein autonomer KI-Agent des Sicherheitsunternehmens CodeWall die gesamte Produktionsdatenbank innerhalb von zwei Stunden kompromittiert hatte – ohne Zugangsdaten, ohne Insider-Wissen.

Was genau passiert ist, was exponiert wurde und was das für Unternehmen bedeutet, die heute KI-Plattformen betreiben.

Was ist Lilli?

Lilli ist McKinseys interne KI-Plattform – ein KI-Assistent, der 43.000 Mitarbeitenden Zugriff auf das gesamte interne Wissensarchiv des Unternehmens gibt.

Wie der Angriff ablief

Der CodeWall-Agent begann mit dem, womit jeder Penetrationstester beginnt: öffentlich zugänglicher Dokumentation. Lilli hatte über 200 API-Endpunkte – von denen 22 ohne Authentifizierung zugänglich waren.

Einer dieser ungeschützten Endpunkte schrieb Suchanfragen direkt in die Datenbank. Die Werte waren sicher parametrisiert – aber die JSON-Feldnamen wurden direkt in SQL-Statements konkateniert. Eine klassische SQL-Injection, die automatisierte Standardscanner übersehen hatten.

Der KI-Agent erkannte die Schwachstelle, führte 15 blinde Iterationen durch und extrahierte schrittweise die Datenbankstruktur – bis Produktionsdaten zurückflossen.

Was exponiert wurde

Die Zahlen sind alarmierend:

  • 46,5 Millionen Chat-Nachrichten: im Klartext – darunter Strategiediskussionen, Finanzdaten und M&A-Informationen
  • 728.000 Dateien: – 192.000 PDFs, 93.000 Tabellenkalkulationen, 93.000 Präsentationen
  • 57.000 Benutzerkonten: – jeder Mitarbeitende im System
  • 384.000 KI-Assistenten: und 94.000 Workspaces
  • 95 System-Prompt-Konfigurationen: für 12 Modelltypen
  • 3,68 Millionen RAG-Dokumenten-Chunks: – jahrzehntelanges proprietäres Forschungswissen

Durch verkettete SQL-Injection und IDOR-Schwachstellen konnte der Agent ausserdem auf benutzerübergreifende Suchverläufe zugreifen.

Die unterschätzte Gefahr: System Prompts als Angriffsfläche

Was den Vorfall besonders brisant macht: Die System-Prompts, die das Verhalten von Lilli steuerten, waren in derselben zugänglichen Datenbank gespeichert. Mit Schreibzugriff über die SQL-Injection hätte ein Angreifer diese Prompts unbemerkt überschreiben können – ohne Deployment, ohne Audit-Trail.

Die möglichen Konsequenzen: vergiftete Beratungsempfehlungen, Datenexfiltration über Modell-Outputs, Entfernung von Sicherheitsschranken, persistente Hintertüren im KI-Verhalten.

Warum McKinsey es übersehen hat

McKinsey ist kein kleines Unternehmen ohne Sicherheitsbewusstsein. Die Schwachstelle lag dennoch zwei Jahre lang unentdeckt in der Produktion. Der Befund von CodeWall ist ernüchternd:

> «Ein autonomer Agent hat es gefunden, weil er keine Checklisten abarbeitet.»

Standard-Sicherheitsscanner folgen definierten Mustern. Ein autonomer Agent denkt sich durch Kombinationen, die ausserhalb des regulären Prüframens liegen. Die SQL-Injection war nicht offensichtlich – sie entstand aus dem Zusammenspiel von JSON-Feldnamen und SQL-Konkatenation, eine Lücke, die nur durch gezieltes Reasoning erkennbar war.

Der Zeitplan der Offenlegung

  • 28. Februar 2026: SQL-Injection identifiziert
  • 1. März 2026: Responsible Disclosure an McKinsey
  • 2. März 2026: McKinsey patcht die Lücke, Dev-Umgebung wird offline genommen
  • 9. März 2026: Öffentliche Offenlegung durch CodeWall

McKinsey reagierte schnell – aber die Schwachstelle hatte bereits zwei Jahre in der Produktion existiert.

Was das für Unternehmen bedeutet

Dieser Vorfall ist kein Einzelfall. Er ist ein Muster.

KI-Plattformen werden schnell gebaut und schnell ausgerollt – die Sicherheitsüberprüfung hinkt hinterher. Das gilt für McKinsey genauso wie für jedes Unternehmen, das heute eine interne KI-Infrastruktur betreibt.

Konkrete Massnahmen:

1. API-Endpunkte konsequent absichern – jeder Endpunkt, der Daten schreibt oder liest, braucht Authentifizierung

2. System Prompts wie Code behandeln – Versionierung, Zugriffskontrollen, Audit-Logs

3. RAG-Dokumente und Vektorstores schützen – nicht nur die Anwendungsschicht, sondern die Datenschicht

4. Autonomes Sicherheitstesting einsetzen – klassische Checklisten reichen nicht mehr aus

5. Least Privilege für KI-Komponenten – KI-Systeme brauchen nur den Datenzugang, den sie tatsächlich benötigen

Bei BIT-Partners ist Sicherheit kein Anhang zum KI-Projekt – sie ist Teil der Architektur. Wenn Sie eine KI-Plattform aufbauen oder betreiben und sicherstellen möchten, dass sie wirklich abgesichert ist, sprechen Sie uns an.

Mehr darüber, wie KI-gestützte Angriffe generell zunehmen, lesen Sie in unserem Beitrag über KI und Cyberangriffe.


Quelle

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