KI-Agenten bekommen eigene Benutzerkonten – was Sie in Microsoft 365 vor dem 4. November regeln sollten

KI-Agenten werden zu digitalen Mitarbeitenden mit eigenem Konto, eigener E-Mail-Adresse und eigenen Berechtigungen. Damit stellt sich eine Frage, die bisher nur für Menschen galt: Wer gibt einem Agenten Zugang – und wer nimmt ihn wieder weg?
Zwei Ankündigungen aus diesem Monat machen das konkret. Google hat am 8. Oktober 2026 einen Gemini-Agenten vorgestellt, der als «Kollege» ein eigenes Workspace-Konto erhält. Und Microsoft hat am 13. Oktober 2026 zwei Änderungen in Microsoft Entra angekündigt, die ab dem 4. November 2026 in allen Microsoft-365-Umgebungen ausgerollt werden. Eine davon betrifft jedes Unternehmen, das Microsoft 365 nutzt – auch wenn es noch keinen einzigen Agenten im Einsatz hat.
Vom Werkzeug zum Teammitglied
Bisher arbeiteten KI-Assistenten im Namen der Person, die sie bedient. Wer eine Frage stellte, lieh der KI für diesen Moment seine eigenen Rechte. Bei Agenten, die selbständig und über Tage an einer Aufgabe arbeiten, passt dieses Modell nicht mehr.
Google geht deshalb einen anderen Weg. Nach den Berichten zur Lancierung erhält ein solcher Agent ein eigenes Workspace-Konto mit E-Mail-Adresse, Kalender, Drive-Ablage und einem Eintrag im Firmenverzeichnis. Er handelt unter seiner eigenen Identität, nicht unter der des Nutzers, und sieht nur, was man mit ihm teilt. Das Angebot ist vorerst in einer privaten Vorschau für ausgewählte Kunden von Gemini Enterprise verfügbar.
Microsoft baut mit Microsoft Entra Agent ID dasselbe Prinzip in die Identitätsverwaltung von Microsoft 365 ein. Agenten erhalten dort eigene Identitäten, die aus einem sogenannten Bauplan («Agent Identity Blueprint») erzeugt werden. Laut Microsofts Dokumentation braucht jeder Bauplan und jede Agenten-Identität mindestens einen Sponsor: eine verantwortliche Person aus dem Geschäft, die über Zweck, Zugriffsprüfungen und Lebensdauer des Agenten entscheidet. Technische Owner, die Einstellungen und Zugangsdaten verwalten, sind zusätzlich möglich.
Das ist im Kern eine gute Entwicklung. Ein Agent mit eigenem Konto ist nachvollziehbar: Man sieht, was er getan hat, man kann ihm Rechte gezielt geben und entziehen, und man kann ihn abschalten, ohne einem Menschen den Zugang zu sperren.
Was sich am 4. November in Microsoft 365 ändert
Microsoft hat am 13. Oktober 2026 im Message Center zwei Änderungen veröffentlicht. Beide werden ab dem 4. November 2026 weltweit ausgerollt und sollen bis Ende November abgeschlossen sein.
- Normale Nutzer dürfen Baupläne anlegen (MC1506733): Personen ohne Administratorrolle können neue Agenten-Baupläne erstellen – es sei denn, ein Administrator schaltet diese Einstellung aus. Bestehende Baupläne sind nicht betroffen. Die Einstellung lässt sich schon vor dem Stichtag setzen.
- Agenten dürfen sich nicht mehr selbst vermehren (MC1506728): Bisher erhielten Baupläne automatisch die Berechtigung, eigene Agenten-Identitäten zu erzeugen. Ab dem 4. November braucht das die ausdrückliche Zustimmung eines Administrators. Wer Agenten betreibt, die sich ihre Identitäten selbst anlegen, muss diese Berechtigung vorher erteilen – sonst schlägt das fehl.
Die zweite Änderung ist eine Verschärfung und betrifft vor allem Unternehmen, die bereits eigene Agenten entwickeln. Die erste ist eine Lockerung, und sie betrifft alle. Wenn Sie nichts tun, kann ab November grundsätzlich jede Person in Ihrem Unternehmen den Grundstein für neue Agenten legen.
Warum das für KMU heikel ist
Microsoft will mit der Lockerung die Hürde senken, eigene Agenten zu bauen. Das ist nachvollziehbar. In der Praxis wiederholt sich aber ein bekanntes Muster: Jeder kann etwas anlegen, niemand fühlt sich zuständig, und nach zwei Jahren weiss keiner mehr, wofür ein Konto da ist und was es darf.
Bei Benutzerkonten kennen die meisten KMU das Problem. Wer das Unternehmen verlässt, wird – hoffentlich – sauber ausgetragen. Bei Agenten gibt es diesen Prozess meist noch nicht. Dabei kann ein Agent mehr Schaden anrichten als ein vergessenes Mitarbeiterkonto: Er arbeitet rund um die Uhr, er handelt selbständig, und er tut genau das, wozu man ihn berechtigt hat – auch wenn das längst niemand mehr will.
Hinzu kommt die Haftung. Wenn ein Agent im Namen Ihres Unternehmens eine E-Mail verschickt, eine Bestellung auslöst oder Kundendaten weitergibt, ist das rechtlich Ihr Handeln. Eine eigene Identität macht das nachvollziehbar. Ohne klare Verantwortlichkeit hilft sie wenig.
Unsere Einschätzung
Wir halten eigene Identitäten für Agenten für den richtigen Weg, unabhängig davon, ob ein Agent mit Claude, ChatGPT oder einem anderen Modell arbeitet. Agenten, die mit den Rechten einer Person laufen, sind schwer zu kontrollieren und kaum nachzuvollziehen. Die Frage ist nicht, ob Ihr Unternehmen Agenten-Konten haben wird, sondern ob sie geplant oder gewachsen sind.
Behandeln Sie Agenten deshalb wie neue Mitarbeitende. Sie bekommen eine Stellenbeschreibung, eine verantwortliche Person, nur die Rechte, die sie für ihre Aufgabe brauchen, und ein Austrittsdatum oder eine regelmässige Überprüfung. Microsofts Pflicht zum Sponsor geht genau in diese Richtung. Sie wirkt aber nur, wenn der Sponsor weiss, dass er einer ist.
Für die meisten KMU empfehlen wir, die Erstellung von Agenten-Bauplänen vorerst auf Administratoren zu beschränken. Das bremst niemanden, der einen guten Anwendungsfall hat: Er meldet ihn an, und der Agent wird bewusst eingerichtet. Wie solche Leitplanken für Agenten aussehen können, haben wir im Beitrag über die Trainingspause von OpenAI beschrieben.
Was Sie jetzt tun können
- Einstellung vor dem 4. November prüfen: Lassen Sie in Microsoft Entra unter den Benutzereinstellungen festlegen, ob normale Nutzer Agenten-Baupläne anlegen dürfen. Ohne bewusste Entscheidung gilt ab November die offene Variante.
- Bestehende Agenten erfassen: Fragen Sie Ihre IT oder Ihren Dienstleister, ob in Ihrer Umgebung bereits Agenten oder Agenten-Baupläne existieren – und ob eigene Agenten darauf angewiesen sind, sich selbst Identitäten anzulegen.
- Für jeden Agenten einen Sponsor benennen: Eine Person aus dem Fachbereich, nicht aus der IT, die erklären kann, wofür der Agent da ist und ob er noch gebraucht wird.
- Rechte klein halten: Ein Agent bekommt Zugriff auf die Ablagen und Postfächer, die er für seine Aufgabe braucht – nicht auf alles, was technisch möglich ist.
- Standort bestimmen: Unser kostenloser KI-Readiness-Check zeigt in wenigen Minuten, wo Ihr Unternehmen bei Regeln, Daten und Verantwortlichkeiten steht. Wenn Sie Agenten konkret planen, unterstützen wir Sie beim Aufbau mit unseren KI-Services.
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